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Vernissage

„Artificium Flora“
oder
„Der ewige Frühling“

Bitte merken Sie vor:
Sommerausstellung mit Tina Schwichtenberg am 27. Mai 2018.

 

GEDANKEN ZU ARTIFICIUM FLORA

Die Ressource Erdöl wird für unendlich viele Produkte genutzt. Zum Antrieb von Motoren, für Kosmetika, zur Herstellung von Pharmazeutika, auch von Kinderspielzeug und neben vielen anderen Fabrikaten eben auch für Gegenstände zur Dekoration.
In geschlossenen Räumen sind beispielsweise Kunstbäume, Kunstrasen und Kunstblumen aus Plastik zu finden. Im Grunde gaukeln uns diese Produkte eine künstliche Natur vor, die kaum einer Pflege bedarf. In mehr oder weniger vielen Haushalten, Schaufenstern oder Büros stehen diese IMMERGRÜNS, um anstatt der betreuungsintensiven natürlichen Pflanzenwelt die künstliche und pflegeleichte in unsere Nähe zu bringen.
So liegt die Vermutung nahe, dass es ohne natürliche Elemente in künstlichen Räumen wie Wartezimmern oder Großraumbüros nicht ohne grünes Beiwerk auszuhalten ist. Weiterhin setzen diese ehemaligen Erdölressourcen voraus, dass wir wissen, wie sich die Natur in einer Landschaft, in einem Park oder im heimischen Garten anfühlt. Wüssten wir dies nicht, würden wir pflanzen-ähnliche Gegenstände nicht vermissen und den Kaufbedarf an der künstlichen Blumenpracht gäbe es nicht. Das Aufstellen von Plastikpflanzen gibt uns folglich das Gefühl entspannen zu können, weil natürliche Elemente nun einmal beruhigend auf die Psyche wirken.

Die Installation ARTIFICIUM FLORA von Tina Schwichtenberg geht einen Schritt weiter und präsentiert nicht nur Exponate von künstlichen Pflanzen, sondern imitiert eine ganze Landschaft.
Beim Betrachten dieser Installation ruft die Künstlerin ein komplettes Gefühlsspektrum von positiven Empfindungen wach, die wir beim Betrachten von blühenden Gärten und Landschaften kennen.
Die ausgestellte Kunstrasenfläche mit einer Unmenge an Plastikblumen „bepflanzt“, zeigt uns, wie leicht Menschen, trotz besseren Wissens, zu täuschen sind. Zudem hinterlässt dieses Arrangement ein Erstaunen über individuelle Gefühle, die bei uns allen im Unterbewussten schlummern. So kann Kunst beim Betrachten dieser „Parkanlage“ für alle, besonders diejenigen, die sich mit der modernen abstrakten Kunst nur schwer arrangieren können, in ihrer Funktion als gesellschaftliches Medium verständlicher werden.
Ein Kunstobjekt, das ohne anzufassen, begreifbar ist. Schließlich macht die Installation den Widerspruch von natürlicher und künstlicher Umwelt auf angenehme Weise fühlbar.
Berta Franck